
Gemeindeleben
Hesse-Orgel
Verein zur Erhaltung der Hesse-Orgel in der Dreifaltigkeitskirche zu Holzhausen e.V.
c/o Gabriele Damm
Am Heiligenberg 16
99310 Wachsenburggemeinde
Fon: 03628-661619
Mobil: 0157-77360731
Wiedereinweihung der Hesse-Orgel
Am 3.12.2017 wurde in einem Festgottesdienst durch Propst Diethard Kamm und die in Holzhausen langjährig tätige Pastorin Christiane Kahlert nach vierjähriger Restaurierung die Johann Michael Hesse-Orgel wieder eingeweiht. Zu den zahlreich erschienenen Ehrengästen zählte auch der Schirmherr des aufwendigen Restaurierungsprojektes, Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow.
Nach der feierlichen Weihe erklang die Orgel in ihrer ganzen Pracht zum ersten Mal wieder, gespielt mit vier Händen und vier Füßen von Kreiskantor Jörg Reddin, Arnstadt und dem Kirchenmusikstudenten und seit Jahren der Hesse-Orgel eng verbundenen Sebastian Heindl aus Leipzig. Der junge Orgelvirtuose ließ dann auch die Orgel im nachfolgenden Konzert wunderbar erklingen.
Auf der Westempore prangt als nunmehr wieder in sich geschlossenes Gesamtkunstwerk die wertvolle historische Orgel des Orgelbaumeisters Johann Michel Hesse.
Der Begründer der Dachwiger Orgelbauerdynastie begann laut Ortschronik 1788 mit ihrem Bau.
Es gab bereits Vorgängerorgeln. Laut historischen Schriften ist die Kirche 1646 „stark repariert worden“ und dazu wurde im gleichen Jahr „auch ein neu Orgelwerck erbauet, welches aber vor einigen Jahren in noch bessern Stand versetzet worden“.
Bis heute konnte nicht exakt ermittelt werden, wann Johann Michael Hesse den Bau der Orgel in Holzhausen vollendet hat. Fest steht, dass sie im Laufe ihrer Geschichte mehrere Umbauten und Reparaturen erlebte, aber auch jetzt noch über einen hohen Anteil originaler Substanz verfügt.
Von 2014 bis 2017 wurde das durch einen Wasserschaden, Schmutzablagerung, den Zahn der Zeit und Marderbisse stark in Mitleidenschaft gezogene Instrument durch die Firma Orgelbau Waltershausen GmbH umfassend restauriert. Dabei wurde die ursprüngliche Stimmung und die auf die Werkstatt Hesse / Meißner zurückgehende Disposition wieder hergestellt. Die Prospektpfeifen wurden nach dem Vorbild anderer Hesseorgeln erneuert, ebenso das Pedalregister Posaune 16 Fuss. Der neu belederte, alte Balg kann nach wie vor auch durch einen Bälgetreter, den Kalkanten, bedient werden. An den Tastenfronten findet sich eine weitere Besonderheit: Sie sind marmoriert. Im Oberwerk original erhalten, wurden sie im Hauptwerk mit besonderer Technologie nachgestaltet.
Auch das Gehäuse der Orgel erhielt sein ursprüngliches Aussehen zurück, aufwändig und liebevoll restauriert von der Restauratorin Annette Bohrloch.
Holzhausen kann stolz sein auf seine Orgel, stammt sie doch aus einer Firma, die zu ihrer Zeit die bedeutendste in unserer Region war. Sie schließt sich nahtlos an das Schaffen von Trost und Schröter an. Die Instrumente der Hesse-Familie zeichnen sich durch hervorragende Klangeigenschaften und eine äußerst solide Bauweise aus und zeigen in den Details eine sehr überlegte und liebevolle Ausführung.
Möge das nun wieder wunderbar erklingende Instrument noch viele Jahre zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen erklingen.
Impressionen









Hesse-Freundeskreis
Die Orgel in der Dreifaltigkeitskirche zu Holzhausen wurde im Jahre 1788 von Johann Michel Hesse erbaut. Der Meister aus Dachwig, Begründer der Dachwiger Orgelbauerdynastie, erbaute wahrscheinlich 12 Orgeln im Thüringer Raum, von denen nur wenige erhalten sind. 1815 schrieb Orgelbauer Wolfram aus Gotha über die Hesse-Orgeln: „Sie sind mehr als Meisterwerke, sie sind vollendete Kunstprodukte eines Genies“.
Die Orgelbaufirma Hesse, deren Schaffen nahtlos an die Tradition von Trost und Schröter anschließt, war nach Orgelbaumeister Joachim Stade (Waltershausen) damals die bedeutendste in unserer Region: „Die Instrumente zeichnen sich neben hervorragenden Klangeigenschaften durch eine äußerst solide, robuste Bauweise aus und zeigen in den Details eine sehr überlegte und liebevolle Ausführung“.
Seit 2013 gibt es den „Hesse-Freundeskreis“ , der sich um das geistige Erbe der Hesse-Orgelbauerdynastie kümmert. Interessenten dafür wenden sich bitte an Frau Gabriele Damm (Kontaktdaten siehe oben).
Die Hesse-Orgel in Holzhausen besitzt einen hohen Anteil originaler Substanz. Auch einige der hessetypischen Solostimmen sind noch original erhalten.
Die Orgelsachverständige Beate Friedrich bewertete 2010 die Orgel als ein kostbares Instrument, das Denkmalwert besitzt und unbedingt erhalten werden muss.
Wir bitten Sie daher herzlich um eine Spende zur Erhaltung der Orgel.
Geschichte der Hesse-Orgel
Gut 250 Jahre hat die Orgel in der Dreifaltigkeitskirche ihren Dienst getan.
Anfangs, nach ihrer Erbauung, und gewiss noch bis zum 1. Weltkrieg, war das Instrument hoch geschätzt und regelmäßig „traktiert“, hatten doch die Holzhäuser, gleich nachdem ihr Pfarrhaus fertiggestellt war, einen der am meisten geschätzten Orgelbauern Thüringens mit dem Bau „ihrer“ Orgel beauftragt: Johann Michael Hesse aus Dachwig, der seit etwa 1760 bereits mindestens 7 hervorragende Orgelwerke im Thüringer Raum erbaute. Unter anderem entstand unter den sachkundigen Händen des Meisters wahrscheinlich 1786 die Orgel in der benachbarten Haarhäuser Kirche (welche –und das ist mit großem Schmerz gesagt- 1972 einer Brandstiftung zum Opfer fiel. Die im Kirchenarchiv noch vorhandenen handschriftlichen Baupläne Hesses zeugen von der Bedeutung und Schönheit des heute vollständig zerstörten Instrumentes). Der Ortschronist von Holzhausen hielt fest: „1788 beginnt der Orgelmacher Heß aus Dachwig mit dem Orgelbau. Die Kosten betragen 475 Reichsthaler. Die Kirche trägt die Hälfte der Kosten. Eine vom Erbauer stammende Bleistifteintragung an der Seitentür belegt, dass die Orgel mit 100 Pfeifen im Pedalwerk, 520 Pfeifen im Oberwerk und 663 Pfeifen im Hauptwerk, also insgesamt 1283 Pfeifen ausgestattet wurde. Eine beachtliche Größe.
Immer wieder berichten die Annalen, welcher Schulmeister die Orgel spielte, was zu besonderen Anlässen gespielt oder gesungen wurde. Die Orgel war Mittelpunkt des Gemeindelebens. Bis heute werden noch Geschichten über die Streiche der Bälgetreter erzählt.
Im Orgelgehäuse finden sich auch aufschlussreiche Eintragungen von den diversen Reparaturen und Umbauten der Orgel: So reparierte Orgelbauer Koch aus Gräfentonna 1855 die Orgel, nachdem 1808 die Kirche fast komplett abgerissen werden musste. Es folgen zahlreiche Reparaturen und kleinere Umbauten bis kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges, ausgeführt von bekannten Thüringer Firmen.
1917 wurden, wie in zahllosen anderen Kirchen, die Prospektpfeifen für Kriegsmaterial eingezogen.
1928, nach nur rund 100 Jahren, war die Kirche schon wieder baufällig, wurde komplett gesperrt und die Orgel ausgebaut. Nach der Kirchsanierung wurde die Orgel bereits 1929 von Rudolf Böhm aus Gotha wieder eingebaut und fand nun einen besseren Platz auf der 1. Empore, wo sie laut Chronik „ein architektonisch schönes Bild bietet, das Orgelgehäuse besser zur Geltung kommt und der Klang sich besser entfaltet. Sie steht jetzt außerdem mehr in der Gemeinde, was für die Leitung des Gesangs vorteilhaft ist.“ Wo die Orgel vorher stand, konnte bis heute nicht herausgefunden werden.
Laut Ortschronik gab es zu Zeiten der DDR weder Kirche noch Orgel in Holzhausen – sie wurden mit keinem Wort erwähnt, es steht auch nicht geschrieben, dass die Kirche viele Jahre baupolizeilich gesperrt war und erst in den 80er Jahren mit großen Anstrengungen von Ortspfarrer und Kirchgemeinde wieder in Stand gesetzt wurde.
1978 und 1980 wurden zum letzten Mal größere Arbeiten an der Orgel vorgenommen, nachdem sie 1974 bei einer Dachreparatur einen großen Wasserschaden erfuhr. Es waren Notreparaturen an den am meisten betroffenen Windladen, und so klang die Orgel künftig auch.
Dennoch- sie war bespielbar und wurde bespielt, in den Gottesdiensten und zu besonderen Anlässen. Konzerttauglich war sie schon lange nicht mehr. Sachkundige Organisten kamen jedoch im Rahmen von Orgelführungen und beschworen den Glanz und wunderbaren Klang der nicht mehr majestätischen Königin aus frühen Jahren wieder herauf. Manche der einprägsamen und für Hesse typischen Register (z.B. Flauto Traverso) zeugten immer noch von der hohen Kunst ihres Erbauers, dessen Name und Kunstfertigkeit jedoch Thüringenweit in Vergessenheit geraten war.
Ganz leise erscholl um 2010 ein Ruf in Holzhausen: Solch ein Kulturgut kann und darf nicht verfallen. Der Ruf wurde lauter, wurde gehört.
Am 7.10. Am 7.10.2010 lag ein ermutigendes Gutachten der zuständigen Orgelsachverständigen vor, das die dringende Notwendigkeit der Sanierung und gleichzeitig den besonderen Wert der Hesse-Orgel deutlich machte.
Der Stein kam langsam, dann immer schneller ins Rollen. Zahlreiche Gespräche wurden geführt, andere Kirchgemeinden mit Orgelsanierung besucht, Gemeindekirchenratssitzungen abgehalten. Immer wieder gab es ein Zurückschrecken vor den enormen Kosten und dem schier kaum zu bewältigen organisatorischen Aufwand. Schließlich wurden doch Kostenvoranschläge verschiedener Thüringer Orgelbaufirmen eingeholt.
Joachim Stade, Chef von „Orgelbau Waltershausen“ hatte sich im Zuge der Restaurierung der Hesse- Orgeln von Seebergen und Wahlwinkel bereits intensiv mit der Orgelbauwerkstatt Hesse aus Dachwig befasst. Er schreibt in seinem Angebot für die Restaurierung der Holzhäuser Orgel: „ Die Orgelbauwerkstatt Hesse aus Dachwig baute in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Thüringer Raum mit die besten Instrumente, was aber zusammenmit dem weitgehenden Verlust des Bewusstseins einer einzigartigen Musik- und Orgelkultur in unserer Region leider in Vergessenheit geriet. Mittlerweile wird der Wert der Hesse-Orgeln zunehmend erkannt (…). Orgelfreunde aus aller Welt kommen immer häufiger zu den restaurierten Instrumenten in Seebergen und Wahlwinkel, lernen sie schätzen und tragen zur Verbreitung ihres guten Rufes bei.(…) Bei der Holzhäuser Orgel handelt es sich „auf jeden Fall um eines der wenigen erhaltenen Werke aus der ersten Generation, von Johann Michael 1, dem Begründer der Dachwiger Orgelbaudynastie“.
Am 3.7.2012 gründete sich in Holzhausen der „Verein zur Erhaltung der Hesse Orgel in der Dreifaltigkeitskirche Holzhausen“
Aus dem Funken wurde eine Flamme. 40 Vereinsmitglieder engagieren sich seither für „ihre Orgel“, die in drei Bauabschnitten restauriert wurde; der dritte Bauabschnitt erfolgte 2017 vor dem Wiedereinbau, nachdem die Bauschäden in der Kirche repariert waren. In den Sommermonaten finden regelmäßig Konzerte statt, es gibt zahlreiche gemeinsame Aktivitäten mit anderen ortsansässigen Vereinen und es wird besonderer Wert auf die Nachwuchsarbeit gelegt.
Die Hesse-Flamme lodert jetzt aber auch thüringenweit. Gemeinsam mit dem Heimatverein Dachwig gründete sich ein Hesse-Freundeskreis mit Orgelfreunden aus Thüringer Orten, die eine Hesse- Orgel in ihrer Kirche beherbergen. Gemeinsam werden Forschungen betrieben, Ergebnisse ausgetauscht und dokumentiert. Es liegen bereits zwei Abschlussarbeiten von Kirchenmusikstudenten zum Thema Hesse vor. Für 2016 gab der Freundeskreis einen Kalender heraus: Hesse-Orgeln in Thüringen. Gemeinsam werden Hesse- Orgeln besucht, bespielt, bewundert und notwendige Sanierungsvorhaben angestoßen.
Hochinteressant und brisant dazu sind die Forschungsergebnisse über den letzten Spross der Dynastie: Julius Hesse. Er soll in Arnstadt am Umbau der Wender-Orgel gescheitert sein und wurde, wie sich jetzt erst herausstellte, zu Unrecht diffamiert. Danach kam das Ende der damals hoch geschätzten Orgelbauerdynastie. Ein brennend interessantes Thema für weitere Forschung und notwendige Veröffentlichungen. Julius Hesse soll posthum rehabilitiert werden- ein Ziel des Hesse- Freundeskreises.
Wer kennt sie schon – die wunderbar klingenden und gut gepflegten Orgelwerke von Julius Hesse in Rockhausen oder in Rehestädt? Ein Schatz in nächster Nähe, zudem mit unglaublicher Geschichte.
Ein Besuch lohnt sich, er lohnt sich gewiss auch in Holzhausen, wo die Holzhäuser Königin seit ihrer Wiedereinweihung wieder in aller Pracht zu bewundern ist.
Interessantes
Inschrift im Windkanal
Eine Aufschrift auf einem Windkanal nennt 1801 als Jahr der Fertigstellung:
„Anno 1801 ds 18 Julius ist diese Orgel in allhiesigen Gottes Haus ganz verfertiget worden. Durch Johan Michael Heß von Dachwig. Gott allein die Ehre“
Holzhäuser Grundschulkinder besuchen ihre Königin (08.10.2017)
Sie ist fast 230 Jahre alt und momentan in einem Zustand zu bewundern, der gewiss in den nächsten 100 Jahren, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, nicht wieder zu erleben sein wird. Die Rede ist von der historischen Johann Michael Hesse-Orgel, die derzeit nach vierjähriger Restaurierung wieder in der Dreifaltigkeitskirche eingebaut wird. Diese Gelegenheit wollte sich die Musiklehrerin Kerstin Struck für ihre Schulkinder nicht entgehen lassen. Täglich kommt sie nun mit einer Klasse während des Musikunterrichts in die Kirche, damit die Kinder anschaulich etwas über das wundervolle Instrument erfahren können.
Auszeichnung: Orgel des Monats November 2015
Von der „Stiftung Orgelklang in der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland“ wurde die Hessel-Orgel zur Orgel des Monats November 2015 gewählt. (Weitere Informationen: Stiftung Orgelklang)
