
Ichtershausen
Ichtershausen
Funde aus der Jüngeren Steinzeit sowie Grabstätten aus der Bronze- und Eisenzeit bezeugen eine frühe Besiedlung des Gebietes um Ichtershausen. In den ersten Jahrhunderten nach Christus wird eine hermundurische Siedlung angenommen, gefolgt von dem festen Platz eines fränkischen Edlen zum Schutz der Königspfalz Arnstadt/Neidecksburg. Die erste urkundliche Erwähnung war am 27. März 947, als König Otto I. den Tausch einiger Güter, darunter „Huochtricheshus“ oder „Otrichshusen“ (Siedlung eines Otrich), mit dem Kloster Hersfeld beurkundete.
Klosterkirche St. Georg und Marien
1147 wurde im Ort ein Zisterzienserinnenkloster von Friederuna von Grumbach und ihrem Sohn Markward II. gegründet, dessen markante Klosterkirche St. Georg und Marien (Baubeginn 1133) das Ortsbild noch heute prägt. Diese Klosterstiftung wurde sowohl von Konrad III. als auch von Bischof Heinrich von Mainz bestätigt. Das Kloster galt als das reichste in Thüringen – bis zu 74 Ortschaften waren ihm zinspflichtig, auch besaß es große Weinberge in der Umgebung.
Das Kloster hütete einen „geradezu ungeheuren Reliquienschatz“, der jährlich ausgestellt wurde. Durch die ausgezeichneten Beziehungen seiner Gründer und die von Propst Wolfram angesammelten Reliquien wurde es reich und mächtig – mit weitreichenden Folgen für die europäische Geschichte:
- 6. März 1198 – Die Anhänger des Herzogs Philipp von Schwaben, jüngster Sohn Friedrich I. „Barbarossa“, leiten hier dessen entscheidende Vorwahl zum König ein. Der feierliche Wahlakt findet dann am 8. März in Mühlhausen statt.
- 17. September 1204 – Hermann I., Landgraf von Thüringen und Schwiegervater der heiligen Elisabeth, unterwirft sich König Philipp und schwört ewige Treue.
- 3. Juli 1546 – Die im Schmalkaldischen Bund vereinigten Fürsten beraten in Ichtershausen über ihren Kreuzzug gegen den Kaiser.
Zu diesem Zeitpunkt war das Kloster schon lange von den aufständischen Bauern geplündert und die Nonnen vertrieben worden (1525). Im selben Jahr wird Heinrich Gnesius erster evangelischer Pfarrer in Ichtershausen. Das Klostergebäude wurde später ein Amtssitz. 1710 wurde das hiesige Schloss vollendet. 1813/1814 diente es als Militärlazarett, in dem 700 Preußen starben. Unweit des Ortes errichtete man ihnen 1819 eine denkmalartige Grabstätte.
Wilhelm Hey
Zu den bekanntesten Einwohnern in der Geschichte des Ortes gehört der im 19. Jahrhundert weithin bekannte Fabeldichter, Menschen- und Kinderfreund Wilhelm Hey (1789–1854). Er wurde 1832 zum Superintendenten nach Ichtershausen berufen. Von ihm stammen die Lieder „Weißt du, wie viel Sternlein stehen?“ und „Alle Jahre wieder.“
In Ichtershausen befindet sich das Pfarramt, das für beide Kirchengemeindeverbände zuständig ist.
